Beim Laufen nicht beirren lassen!

Martin Möller

Kennen Sie das: Sie haben eine neue Frisur oder vielleicht ein neues Kleidungsstück. Eines, das etwas Mut erfordert. Zum Beispiel einen roten Schal. Als Sie ihn geschenkt bekommen haben, haben Sie schon gedacht: Na, ob ich den wohl jemals anziehen werde? Eigentlich gefällt er mir ja, aber was werden wohl die anderen dazu sagen?

Und dann trauen sie sich und tragen diesen Schal. Eine Bekannte sieht das. Und anstatt zu Ihnen zu sagen: „Dieser Schal sieht aber besonders gut aus.“ Sagt die Bekannte: „Also, der steht dir ja nun überhaupt nicht.“

Danach ziehen Sie den Schal niemals wieder an. Er liegt fortan in der Schublade und erinnert Sie daran, dass jemand anderes darüber bestimmt hat, was Sie für wahr halten und was nicht.  Und das, obwohl Sie den roten Schal eigentlich mögen.

„Eigentlich“ – Ein schlimmes Wort. Ein Wort des Zauderns, der Unsicherheit, des Wankens.

Wir hören im Laufe eines langen Lebens so viele Meinungen. Manchmal ist das ganz schön lästig, dass wir so beeinflussbar sind. Dass wir in so vielen Dingen ganz unterschiedlicher Auffassung sind.

Wenn man mit anderen Menschen zusammen lebt, dann ist das oft gar nicht so einfach. Und das gilt für jedes Lebensalter.

Wenn wir uns mühsam zu einer Überzeugung durchgerungen haben, wird sie oft von anderen Menschen angezweifelt und dann auch von uns selbst wieder in Frage gestellt. Das verunsichert uns.

Am Ende wissen wir dann gar nicht mehr so genau, was wir überhaupt für wahr halten sollen. Was ist richtig und was falsch?

Das gilt nicht nur für die kleinen Dinge des Lebens, wie z.B. den roten Schal. Das gilt auch und besonders für die großen, die wirklich wichtigen Dinge.

Auch und gerade bei dem Thema „Gott“ gibt es viele verschiedene Meinungen und viel Verunsicherung. Das ist eine besondere Herausforderung, weil das Thema so wichtig ist. Beim roten Schal geht es nur um unser Wohlbefinden. Im Glauben geht es um uns. Um nicht mehr und nicht weniger.

Die Bibel sagt uns, das Wichtigste im Leben sei unsere Beziehung zu Gott. Daraus folgt alles Weitere.

Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem Gemüte.

Mt 22,37

Doch was passiert, wenn jemand versucht, sein Leben entsprechend zu leben? Dann hört er schnell die Kritiker zu Wort kommen: „Was soll das heißen, dass du jetzt in die Kirche gehst? Glaubst du etwa den ganzen Kram?“

Bei dieser Frage sollte man nicht wanken. Man sollte nicht zaudern, nicht zweifeln, keine Unsicherheit zulassen. Auf keinen Fall sollte man sich von anderen reinreden lassen, wenn man glaubt.

Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben.

Jak 1,12

Das ist es, worum es geht: Um die Krone des Lebens, den Siegeskranz nach einem langen Lebenslauf. Wer den Sieg davontragen will, darf nicht zaudern. Der darf nicht sagen: „Eigentlich“. Fragen Sie mal einen 400m-Läufer!

In dem Wirrwarr aus Meinungen und Stimmen verlässt man sich am Besten auf diejenige Stimme mit der größten Autorität.

Heutzutage gilt ja das als besonders verlässlich, was neu ist. In früheren Zeiten war das anders: Da galt das als besonders verlässlich, was alt ist. Die Traditionen gaben Halt und Sicherheit. Und dieser Überzeugung hänge auch ich an, wenn es um die wichtigsten Fragen im Leben geht.

Und wer könnte mehr Autorität beanspruchen als Gott, der Ewige, von dem es in Psalm 25,5 heißt:

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich; denn du bist der Gott, der mir hilft.

Ps 25,5

Gott möchte das Fundament unseres Lebens sein. Auf ihn und sein Wort ist Verlass jeden Tag unseres Lebens. Hören wir auf ihn, lassen wir uns von seiner Wahrheit leiten und lehren und vertrauen wir uns seiner Hilfe an.

Wer sich hier nicht beirren lässt, kann voller Hoffnung und Vertrauen mit den Worten des Psalmisten schließen:

Bewahre meine Seele und errette mich!

Ps 25,20a

Und der Herr wird einen solchen Menschen erhören.

Die Hoffnung stirbt nicht

Neulich orakelte ein Journalist schadenfroh, den Christinnen und Christen sei in diesem Jahr zu Ostern wohl das Halleluja in den FFP2-Masken steckengeblieben. Au contraire, mon ami! Ja, wir haben einiges schmerzlich vermisst, was uns lieb und teuer ist. Und nicht nur wir! Aber wer jetzt Menschen belächelt, weil ihnen das Leben schwer ist, der muss schon ein ziemlich selbstzufriedener Krisenprofiteur sein.

Verzichten wir 2021 auf unsere Erkennungsmelodie, das Lob Gottes, das Halleluja? Niemals!

Der Hoffnungslosigkeit überlässt uns der Glaube nicht. Und das hat gerade mit Ostern zu tun, dem Fest der Hoffnung schlechthin. In der größten Erzählung des Christentums wird der schrecklichste und unerbittlichste Feind besiegt, der überhaupt vorstellbar ist: Der Tod. Kann man sich einen größeren Sieg vorstellen? Warum in aller Welt sollte das ein Grund dafür sein, keine Hoffnung zu haben?

Christinnen und Christen landauf, landab und weltweit haben auch in diesem Jahr Ostern gefeiert und das Halleluja gesprochen oder gesungen: In Kirchen, Häusern, im Internet, im Freien, weil sie auch – und gerade – in diesem Jahr Hoffnung haben.

Mir gefällt der Gedanke, das Maß an Hoffnung könne ein Indikator sein für die Güte und Wahrheit der eigenen Grundüberzeugungen. Sollte das stimmen, dann haben uns die letzten Monate (hoffentlich) in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt der Volksmund. Falsch! „Die Hoffnung stirbt gar nicht“, sagt sinngemäß die Bibel. Und zwar, weil es gute Gründe gibt, an ihr festzuhalten. Stichwort: Ostern.

Auch wenn mich die elende Maske (und vieles andere) mittlerweile reichlich nervt: Vom Halleluja hält sie mich auch 2021 nicht ab. Und von der Hoffnung schon gar nicht.