Wer war Jesus wirklich?

Kennenlernen – das klingt Lernen und damit nach Arbeit

Eine Person so richtig kennen zu lernen, kann kompliziert werden.

Denn: Wir verlassen uns sehr oft auf einen ersten Eindruck. Nicht immer ist der erste Eindruck richtig.

Worin wir richtig gut sind: Äußerlichkeiten. Die können wir in Bruchteilen einer Sekunde wahrnehmen und einordnen: Wir wissen sehr schnell, ob wir jemanden hübsch finden oder nicht.

Mit den “inneren Werten” sieht es aber anders aus.

Es braucht manchmal sehr viel Zeit und auch Mühe, wenn man über den ersten, oberflächlichen Eindruck hinaus einen Menschen kennen lernen möchte.

Und seien wir ehrlich: Wie oft haben wir unserem ersten Eindruck schon daneben gelegen?

Begrenzte Fähigkeiten im Durch-Schauen von Schnappschüssen

Tatsächlich behaupte ich, dass unsere Fähigkeiten im Wahrnehmen und Durch-schauen eines anderen Menschen sehr beschränkt sind.

Natürlich: Das eine oder andere Motiv erkennen wir, die eine oder andere Charaktereigenschaft, wir können vielleicht erkennen, welchen Zug jemand als nächstes machen wird usw.

Aber einen anderen Menschen wirklich zu kennen: Das ist schwer. Vielleicht sogar ganz unmöglich.

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1. Sam 16,7)

Auf jeden Fall ist es unmöglich, wenn uns unser Gegenüber nicht hilft. Stellen wir uns vor, wir hätten nichts weiter als einen Schnappschuss einer Person. Da wären wir mit unserer Erkenntnisfähigkeit schnell am Ende.

Das Alte Testament hat mit der Erzählung von Mose, der nach einer Begegnung mit Gott vom Berg herabsteigt und dessen Gesicht diese Begegnung mit dem Heiligen durch einen mysteriösen Glanz erkennen lässt, in einem Schnappschuss festgehalten.

Generationen von Menschen haben diese Erzählung gehört oder gelesen und sich auf der Grundlage dieser und der anderen Berichte über Mose ein Bild von ihm gemacht.

Der Schnappschuss von Mose

Was zeigt der Schnappschuss von Mose?

Moses mit glänzendem Gesicht
Moses mit glänzendem Gesicht

Wir erkennen in Mose einen Mann, der enge Beziehung zu Gott hat. Jemanden, den Gott selbst auserwählt hat, für eine große Tat.

Mose, der nach wunderbarer Rettung im ägyptischen Königspalast aufwuchs, sich dann seiner Herkunft erinnerte und sein Volk aus der ägyptischen Sklaverei befreite.

Mose, der das Volk durch die Wüste führte und dort die Steintafeln mit Gottes Geboten für die Menschen erhielt.

Mose, der Mann, der von Angesicht zu Angesicht mit Gott sprach.

Es gab in der Geschichte Israels noch manch andere große Männer.

Aber während Jakob von Gott den Namen Israel bekommt, also “Der, der mit Gott kämpft” (Gen 32,23-33), gibt die Bibel von Mose eine ganz andere Charakterisierung:

Und der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet; (Ex 37,11a)

Wenn wir diese Schnappschüsse aneinanderreihen, ist Mose etwas ganz ganz besonderes. Ein Mann, der dem Heiligen sehr nahe war. Der mit Gott befreundet war.

Es ist völlig klar, dass die Menschen diesem Mann viel Verehrung und eine ganz besondere Wertschätzung zuteil werden ließen. Nur eine weitere Gestalt des Alten Testaments, Elia, spielt in einer ähnlichen Liga.

Jesus wird verklärt

Viele Jahre später erklimmen einige Jünger gemeinsam mit Jesus einen Berg.

Dort passiert etwas gänzlich wunderbares: Jesus wird verklärt. Das bedeutet: Er kommt dem Heiligen so nahe, dass es sichtbar Spuren bei ihm hinterlässt.

Und was wir lesen, weckt unsere Erinnerungen an die Geschichte mit Mose:

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. (Mt 17,1-3)

Die Reaktion der Jünger: Sie ordnen ihren Meister Jesus in die gleiche Kategorie ein, wie diese heiligsten aller Männer.

Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. (Mt 17,4)

Wir erkennen, was uns gezeigt wird

Das kann man verstehen: Aus dem Moment heraus hat Jesus tatsächlich Ähnlichkeit mit den heiligsten Männern Israels.

Sicherlich war das von Petrus als höchste Form der Ehrerbietung gedacht.

Aber in machtvollen Worten tritt Gott der Vater auf den Plan und gibt sich zu erkennen:

Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

Jetzt erkennen die Jünger. Jetzt erkennen wir: Jesus ist kein Heiliger Mann, er ist der Heilige, Gott selbst.

Tatsächlich erkennen wir einen anderen umso vollständiger, je mehr er uns von sich preisgibt.

Über Jesus wird viel spekuliert

Bis heute herrscht Uneinigkeit darüber, wer Jesus ist.

Die Unitarier, Zeugen Jehovas, Muslime, aber auch genügend Menschen, die sich das Schild Christen umhängen, sehen es wie die Jünger auf dem Berg:

Jesus als Wundertäter, Jesus als Lehrer, Jesus als vorbildlicher Mann. Aber in all diesen Anschauungen bleibt Jesus immer ein Geschöpf Gottes, ein Heiliger – vielleicht besonders heiliger – vielleicht der heiligste von allen, aber immer ein geschaffener Mensch.

Gott gibt Jesus aber ganz eindeutig als seinen Sohn zu erkennen: Als die Person der Gottheit, die gezeugt ist, nicht geschaffen. Eins mit dem Vater und der über allen Heiligen, über allen Autoritäten steht.

Wenn wir von den Schnappschüssen wegkommen und Gott beim Wort nehmen, dann können wir ihn kennen lernen.

Er selbst stellt sich uns vor als der, der er ist.

Gott, ewig, einig, das Alpha und das Omega, der Gewesene, der Seiende, der Kommende, der allmächtige Vater, Sohn und Heiliger Geist.

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