Herzlich Willkommen!

Diese Seite wird zur Zeit überarbeitet. Bitte sehen Sie später wieder vorbei!

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt

veröffentlicht um 19.08.2019, 00:13 von Martin Möller

Hiob und der Umgang mit dem Leiden
von Martin Möller

Für jeden Menschen, der leidet, stellt sich die Frage nach dem “Warum?”. Es ist zutiefst menschlich, dass wir verstehen wollen, warum uns passiert, was uns passiert. Wir sind intelligente Lebewesen und wollen vermeiden, was uns schaden kann. Daher müssen wir die Frage nach dem “Warum?” stellen. Und es ist uns ein Rätsel und vielleicht die größte Herausforderung eines gläubigen Menschen, warum Gott das Leiden an uns und das Leiden in der Welt zulässt. Diese Frage ist nicht verboten. Ganz im Gegenteil. Jesus schreit seine Warum-Frage am Kreuz heraus: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mk 15,34) Auch im Alten Testament stellt die Bibel die Frage in der Geschichte des Mannes Hiob.

Das Leben hatte Hiob schlimm mitgespielt. Zunächst unermesslich reich, glücklich, zufrieden und gottesfürchtig, wurde er aus seinem bisher so komfortablen Leben herausgerissen und erlebte eine Katastrophe nach der anderen. Die sprichwörtlichen Hiobsbotschaften tragen bis heute seinen Namen: Verlust all seines Hab und Gutes, Tod seiner zehn Kinder, plötzliche Armut. Wir können uns die Umstände gar nicht dramatisch genug ausmalen. Zunächst behielt Hiob sein Gottvertrauen. Ein Satz Hiobs, der vor innerer Stärke und Vertrauen geradezu strotzt: “Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen. Der Name des HERRN sei gelobt!” (Hiob 1,21)

Doch die Anfeindungen wurden immer schlimmer. Hiobs Frau lästerte über seine Religiosität und fragte ihn, was es ihm den nun genützt habe, immer ein guter und rechtschaffender Mensch gewesen zu sein. Auch seine Freunde setzten ihm zu. Sie besuchten ihn, um ihm unter anderem zu erklären, dass einem guten Menschen so viel Böses nicht passieren würde, und er - Hiob - wohl einiges Schlimmes getan haben müsse, um solche Strafen zu verdienen.

Angesichts dieser Katastrophen tat Hiob das, was wir wohl alle tun würden: Er brach unter der Last von Schock, Schmerz und Trauer zusammen, streute Asche über sein Haupt, wandte sich direkt an Gott und klagte ihm sein Leid. Und er stellte diese große und oft unbeantwortete Frage: “WARUM?” oder besser: “WARUM!” mit einem Ausrufezeichen. Warum muss mir das passieren? Warum muss ich so leiden? Wie kannst Du, Gott, diese Ungerechtigkeit zulassen?

Von Freunden und Familie teilweise bedauert, teilweise beschuldigt, er sei wohl selbst an seinem Elend schuld, belehrt und vielleicht auch verlacht, ließ Hiob nicht locker, diese Frage nach dem “Warum” hinaus zu schreien. Keiner von uns, der ihn nicht verstehen würde. Hiob beschuldigte Gott, ihn zu Unrecht so zu strafen. Er warf dem Schöpfer vor, ungerecht zu sein, ein Würfelspieler.

Gott hüllte sich zunächst in Schweigen, aber Hiob klagte Gott weiter an - immer lauter und unerbittlicher. Schließlich bekam er eine Reaktion, doch diese fiel ganz anders aus als erwartet:

Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach: Wer ist's, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand? Gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich! Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir's, wenn du so klug bist! Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Messschnur gezogen hat? Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Gottessöhne jubelten? Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß, als ich's mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln, als ich ihm seine Grenze bestimmte und setzte ihm Riegel und Tore und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«? (Hiob 38,1-11)

In der folgenden Antwort erklärt Gott:

  1. Gott selbst ist nicht der Urheber des Bösen. Alles was von Gott kommt, ist gut. Er straft uns folglich auch nicht für unsere Taten mit Krankheiten und Schicksalsschlägen - das ist nicht sein Stil.
  2. Unser menschlicher Verstand reicht nicht aus, um Gottes Werk und seine Pläne und Absichten vollständig und richtig zu verstehen. Insofern greift auch unsere Anklage, Gott würde falsch oder böse handeln, zu kurz. Wir kennen nicht alle Fakten.
  3. Gott empfiehlt Hiob, trotz seiner schlimmen Situation und all seiner Zweifel an ihm - Gott - festzuhalten. Er versichert Hiob, dass er einen guten Plan auch für Hiob hat, obwohl es momentan nicht danach aussieht.

Nach dieser Antwort Gottes lenkt Hiob ein: “Ich erkenne, dass du alles vermagst und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.” (Hiob 42,2)

Mitten in seinem Leid konnte Hiob die Frage nach dem Warum plötzlich fallen lassen. Er vertraute Gott und gab seinen Widerstand gegen das, was gerade war, auf.

Hiobs Schicksal wandte sich daraufhin. Der Lebensabschnitt, der folgte, war schöner, erfüllter, gesegneter als alles, was er vorher erlebt hatte. Und das Buch schließt mit dem Hinweis, dass Hiobs Leben weit über sein irdisches Leben hinausweist.

Auch wir stellen uns die Frage nach dem Warum, wenn in unser Leben Bosheit, Krankheit, Verlust hereinbricht und uns herausreißt aus unserem für selbstverständlich erachteten Dasein. Kann uns Hiob ein Beispiel sein? Ich muss gestehen: Ich weiß es nicht. Wer nicht selbst in Hiobs Schuhen steckt, hat natürlich leicht Reden. Einfache und billige Antworten auf das Leiden - wie die Freunde Hiobs sie gaben (“Du bist wohl selber Schuld!”) helfen aber nicht weiter. Die Frage nach dem Warum - und das können wir festhalten - allerdings auch nicht. Hiobs Leben wendet sich, als er aufhört, sich mit dieser Frage zu quälen.

Gott zumindest hört Hiob bei all seinen Klagen und Anklagen geduldig zu. Und noch während Hiob klagt, wächst in ihm die Einsicht: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19,25)

1-1 of 1